Kaninchen

ARTGERECHTE KANINCHENHALTUNG – so schwer ist es eigentlich nicht...

 

Kaninchen gehören schon lange Zeit zu den beliebtesten Haustieren –allerdings waren sie noch vor wenigen Jahrzenten hauptsächlich für den Kochtopf bestimmt, wenn sie in Menschenhand gehalten wurden. Deshalb fristen die Meisten ihrer Art leider immer noch ein trauriges Dasein. In Einzelhaft, in viel zu kleinen Gittergefängnissen und mit absolut falscher Ernährung, da Buchtenhaltung und Pelleternährung ihre Spuren hinterlassen haben und bei vielen Kleintierzüchtern auch noch heute zum traurigen Kaninchenalltag gehören.

 

Das Hauptproblem: Kaninchen beschweren sich nicht, grobe Haltungsfehler fallen nicht auf, weil die Tiere ja „munter sind" und das Argument „Aber mein Onkel macht das seit 50 Jahren so und züchtet erfolgreich im Verein" erschlägt scheinbar sofort jegliche, vernünftige Gegenargumentation.

 

Bei dieser recht primitiven Sicht wird den Kaninchen jedoch vollkommen aberkannt, dass es sich bei den Hopplern um selbstständige Lebewesen mit einem Recht auf artgerechte und verhaltensgerechte Haltung und Behandlung handelt. Kaninchen sind ausgesprochene Gruppentiere, leben in der Natur in großen Kolonien und verbringen den Großteil des Tages damit Futter zu suchen oder ihre Bauten zu erweitern.

 

Was genau heißt das jetzt für die artgerechte Haltung?

 

1. Kaninchen sind Gruppentiere, die in Kolonien leben, d.h. in Menschenhand sollten Kaninchen mindestens zu zweit sein. Am harmonischsten ist meistens ein Paar, welches aus einem kastrierten Rammler und einer Häsin (bestenfalls ebenso kastriert) besteht. Aber auch größere Gruppen mit gemischten Geschlechtern können funktionieren – zu beachten ist hierbei jedoch, dass die weiblichen Tiere untereinander oft zu massivem Streit neigen, sodass ein Kastratenüberschuss für das Gruppengefüge nicht das Schlechteste ist, d.h. zum Beispiel 2 Kastraten und 1 Weibchen.

 

2. Kaninchen brauchen ernährungstechnisch weder Getreide, noch Zucker oder andere ungesunde Zusatzmittel, wie Farb- oder Konservierungsstoffe – somit sind alle im Handel erhältlichen „Standardprodukte", wie Knabberstangen, bunte Getreidepops oder Fertigmischfutter von ihrem Speiseplan zu streichen!

 

200-400g Frischfutter in Form von Gemüse (Obst nur in geringen Mengen, wegen des Zuckergehaltes) pro Tier und Tag (ja nach Körpergröße natürlich individuell bemessen, da die verschiedenen Kaninchenrassen durchaus sehr unterschiedlich schwer und groß sein können!), zusätzlich frisches Grün aus der Natur (Kräuter, Gräser, Zweige) und hochwertiges Heu zur freien Verfügung reichen den kleinen Hopplern vollkommen - denn ihre Verdauung kommt mit rohfaserreicher Kost am Besten zu recht und wird durch im Magen aufquellendes Trockenfutter, stärkereiches Getreide und zu viel Zucker unnötig belastet, wenn nicht sogar nachhaltig gestört.

 

3. Kaninchen sind absolute Bewegungstiere, die aus dem Stand durchaus Höhen von 1m und Weiten von 2m „erspringen" können, die handelsüblichen Gittergefängnisse sind da natürlich mehr als ungeeignet für die dauerhafte Unterbringung.

 

In Innenhaltung ist das absolute MINDESTmaß pro Tier 2qm, aber auch nur mit regelmäßigem mehrstündigem Auslauf. In Außenhaltung muss man das Doppelte pro Tier (also 4qm) berechnen – hier gilt natürlich ebenfalls der Grundsatz: je größer, desto besser! Auch sollte man bei der Laufstrecke 2m nicht unterschreiten, damit zumindest ein kurzer Sprint für die Tiere möglich ist.

 

Da Kaninchen sehr gut stubenrein werden und man mit ein paar wenigen Handgriffen (Kabel sichern, Nischen/enge Stellen verschließen/giftige Pflanzen aus Reichweite bringen etc.) die Wohnung oder zumindest ein Zimmer kaninchensicher machen kann, steht einem Hoppeln außerhalb jeglicher Gehege Grenzen meist nichts im Wege und man kann so den Bewegungsdrang gut befriedigen.

 

Ist Außenhaltung möglich, ist natürlich ein entsprechend großes, gesichertes Gehege mit Buddelmöglichkeiten die perfekte Alternative.

 

4. Und ganz zum Schluss noch ein äußerst wichtiger Punkt, der leider am häufigsten von allen ignoriert wird: Kaninchen sind KEINE Kuscheltiere oder Kinderspielzeug! Kaninchen werden mit Geduld und Einfühlungsvermögen oft erstaunlich handzahm, solange sie immer die selbstständige Möglichkeit zur Flucht haben.

 

Zwangsbestreicheln, Festhalten, Herumtragen – all das sind Dinge, die ein Kaninchen nicht mag, bzw. die das Tier sogar in Todesangst versetzen können! Kaninchen, die sich platt machen, die Augen schließen und regungslos verharren genießen die menschliche Zuwendung nicht, sondern stellen sich in Panik tot!

 

Zum wöchentlichen Gesundheitscheck können Kaninchen hochgenommen und angefasst werden, ansonsten sollte man sich auf Handfütterung und Kontaktaufnahmen beschränken, die dem Tier immer die freie Wahl lassen, den Kontakt selbstständig abzubrechen – dann wird man schnell merken, dass die Tiere einem so viel mehr vertrauen und wesentlich neugieriger sind, als wenn man sie ständig herumträgt und betascht.

 

Wer jetzt nach dem Durchlesen von Punkt 1 bis 4 zum Schluss kommt, dass einer der aufgeführten Argumente nicht zutrifft, übertrieben ist oder gar lächerlich, der sollte sich keine Kaninchen anschaffen – und am Besten gar keine Tiere.

 

Für alle Anderen gilt: Wer eine Ecke in Haus oder Garten frei hat für ein großes Gehege, gerne beobachtet und sich immer wieder gerne neue Beschäftigungsideen ausdenkt, der kann mit Kaninchen die idealen Hausgenossen finden und feststellen, dass die Hoppler erstaunlich viel zu bieten haben, wenn sie verhaltensgerecht, verantwortungsbewusst und respektvoll gehalten werden.

 

 

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