Ernährung

Kaninchen stammen aus den halbbewaldeten, wiesenreichen Gebieten Mitteleuropas, sodass ihre Verdauung – trotz Domestikation – auf faserreiche, pflanzliche Kost in Form von Gräsern, Blättern und Wurzeln eingestellt ist. Wichtig ist ebenfalls die Tatsache, dass Kaninchen eine sogenannte „Stopfverdauung“ haben, d.h. Magen und Darm weisen nur eine geringe Eigenperistaltik auf und das Weiterschieben des Nahrungsbreis erfolgt über die mehr oder weniger dauerhafte Aufnahme neuen Futters.

 

Was bedeutet dies nun für die Fütterung?

Kaninchen sollten hochqualitatives Heu (kein zu kurzes, monokulturiges Heu *mehr zum Thema Heu*) und/oder frisches Grün in Form von artenreicher Wiese oder ungespritzten Zweigen (*mehr zum Thema Grünfutter*) ad libitum, also rund um die Uhr, zur Verfügung haben, damit ihr Verdauungsapparat normal arbeiten kann. Ebenso sollte die Fütterung von Frischfutter mindestens auf 2-3 Fütterung pro Tag verteilt werden um die zu schnelle und zu umfangreiche Aufnahme des Futters und die damit verbundenen Verdauungsprobleme (Aufgasung, Durchfall etc.) zu vermeiden.

Wasser sollte ebenfalls ad libitum zur Verfügung stehen und am Besten in großen, flachen Keramiknäpfen angeboten werden. Trinkflaschen sind aufgrund der unnatürlichen Trinkhaltung, sowie der relativ schwierigen Säuberung keine geeignete Variante! Wenn man die Näpfe entsprechend groß und schwer wählt und z.B. leicht erhöht auf einer Steinplatte anbietet, halten sich auch der Grad der Verschmutzung und die Gefahr des Umschmeißens in Grenzen.

Zur Fütterung sollte man leicht zu reinigende Gehegestellen (z.B. Steinplatten, beschichtete Etagenunterstände o.Ä.) wählen, die von allen Tieren der Gruppe gute erreicht werden können (Berücksichtigung älterer Tiere und ihrer eventuell eingeschränkten Beweglichkeit etc.). Heu und Grünfutter kann frei angeboten (gerade bei Heu bietet es sich an, mehrere Haufen anzubieten, die die Tiere auch zum Reinliegen und Verstecken nutzen können) werden, es sollte aber je nach Gruppengröße auch zwei oder mehr gut erreichbare Raufen ohne Verletzungsrisiko (Stabbreite eng genug, damit ein Einklemmen vermieden wird, Abdeckung gesichert, damit ein Hineinstürzen vermieden wird etc.) geben, damit man sich sicher sein kann, dass auch immer unverschmutztes Futter zur Verfügung steht.

 

Getreidehaltige und zuckerhaltige Fertigfuttermittel, sowie trockenes Brot haben auf dem Speiseplan der Kaninchen NICHTS verloren! Weder sind diese Produkte für den Zahnabrieb hilfreich (noch bevor sie die hintere Zahnbereiche erreichen sind sie bereits weicher Brei!), noch benötigt ein artgerecht gehaltenes Kaninchen derartige Mengen an Energie (Ausnahmen können kranke, tragende bzw. laktierende oder alte Tiere sein, aber auch hier sollte man nur zu bestimmten energiereichen und trotzdem getreidefreien Fertigprodukten greifen! z.B. Produkte dieses Anbieters www.kaninchenladen.de). Außerdem machen diese Futtermittel zu schnell und zu lange satt, sodass der natürliche Verdauungsprozess der Tiere nachhaltig gestört wird!

Das Futterangebot sollte so abwechslungsreich wie möglich gestaltet und trotzdem den Bedürfnissen der Tiere angepasst werden. Verfütterbare Gemüsesorten und ihre speziellen Eigenschaften finden Sie in dieser Liste: Gemüse. Obst kann verfüttert werden, sollte aber aufgrund des hohen Zuckergehaltes eher als Leckerli verwendet werden und nicht dauerhafter oder zu großer Bestandteil des Futterplanes sein, eine Auswahl mit verfütterbaren Obstsorten und ihren Eigenschaften finden Sie in dieser Liste: Obst.

Bei der Futtermenge sollte man sich am Alter, dem Gesundheitszustand, der Haltungsart (Innenhaltung oder Außenhaltung) und dem Körpergewicht der Tiere orientieren. Als Faustregel gilt bei Kaninchen eine Futtermenge von ca. 100-200g pro kg Körpergewicht und Tag. Ältere, kranke und tragende bzw. laktierende Tiere haben einen erhöhten Energiebedarf, sodass die Futtermenge entsprechend erhöht, sowie die speziellen Bedürfnisse (z.B. geraspeltes Futter bei Kaninchen mit Zahnproblemen / Futter zur Unterstützung der Milchbildung bzw. keine wehen fördernden Futtermittel bei tragenden Tieren etc.) berücksichtigt werden sollten. In Außenhaltung sollten im Winter die Futtermenge und die Futtermittel den Temperaturgegebenheiten angepasst werden, d.h. vermehrt energiereiches Knollenfutter verfüttern, stark wasserhaltige und schnell gefrierende Futtermittel meiden, eventuelle Zufütterung von einem getreidefreien Komplettfutter etc.

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