Meerschweinchen

ARTGERECHTE MEERSCHWEINCHENHALTUNG – so schwer ist es eigentlich nicht...

 

Meerschweinchen gehören schon lange Zeit zu den beliebtesten Haustieren – für die kleinen Quieker ist diese Tatsache jedoch mehr Fluch, als Segen. Denn durch ihre recht unkomplizierte Art und ihre große Anpassungsfähigkeit fristen die meisten ihrer Art leider ein trauriges Dasein in Einzelhaft, in viel zu kleinen Gittergefängnissen und mit absolut falscher Ernährung.

 

Das Hauptproblem: Meerschweinchen beschweren sich nicht, grobe Haltungsfehler fallen nicht auf, weil die Tiere ja „munter sind" und das Argument „Aber mein Meerschweinchen ist doch auch alleine und mit Trockenfutter acht Jahre alt geworden" erschlägt scheinbar sofort jegliche, vernünftige Gegenargumentation.

 

Bei dieser recht primitiven Sicht wird den Meerschweinchen jedoch vollkommen aberkannt, dass es sich bei den kleinen Quiekern um selbstständige Lebewesen mit einem Recht auf artgerechte und verhaltensgerechte Haltung und Behandlung handelt. Meerschweinchen sind hochsoziale Gruppentiere, die in natürlicher Umgebung in großen Haremsgruppen leben und ihren Tag damit verbringen rohfaserreiche Gräser- und Blütenkost zu sich zu nehmen und dabei legen sie erstaunlich weite Strecken zurück.

 

Was genau heißt das jetzt für die artgerechte Haltung?

 

1. Meerschweinchen sind Gruppentiere, die in einem Haremsgefüge leben, d.h. in Menschenhand sollten Meerschweinchen mindestens zu dritt sein – je größer die Gruppe, desto besser und es sollte sich um einen Kastraten plus x weibliche Tiere handeln. Reine Bockhaltung ist zu 90% nicht möglich, ebenso sind reine Weibchengruppen wesentlich stressgeladener und streitanfälliger.

 

2. Meerschweinchen brauchen ernährungstechnisch weder Getreide, noch Zucker oder andere ungesunde Zusatzmittel, wie Farb- oder Konservierungsstoffe – somit sind alle im Handel erhältlichen „Standardprodukte", wie Knabberstangen, bunte Getreidepops oder Fertigmischfutter von ihrem Speiseplan zu streichen!

 

150-200g Frischfutter in Form von Gemüse (Obst nur in geringen Mengen, wegen des Zuckergehaltes) pro Tier und Tag, zusätzlich frisches Grün aus der Natur (Kräuter, Gräser, Zweige) und hochwertiges Heu zur freien Verfügung reichen den kleinen Quiekern vollkommen - denn ihre Verdauung kommt mit rohfaserreicher Kost am Besten zu recht und wird durch im Magen aufquellendes Trockenfutter, stärkereiches Getreide und zu viel Zucker unnötig belastet, wenn nicht sogar nachhaltig gestört.

 

3. Meerschweinchen sind zwar klein und wirken durch ihre gedrungene, fast runde Körperform eher plump und gemütlich, dennoch haben sie einen erstaunlichen Bewegungsdrang. Die handelsüblichen Gittergefängnisse werden dem Laufbedürfnis der kleinen Quieker in keiner Weise gerecht! Ein gut strukturiertes, großes Gehege ist für Meerschweinchen somit unerlässlich, denn erst dann zeigen sie ihr ausgesprochen vielfältiges und interessantes Verhaltensrepertoire.

 

Die Laufstrecke sollte mindestens 1,8 -2m betragen und die Grundfläche (alles auf einer Ebene – Etagen zählen erst ab 2qm Größe dazu!) 2qm nicht unterschreiten (bei 2-3 Tieren). Jedes weitere Tier (3 + x) benötig dann eine zusätzliche Grundfläche von mindestens 0,5qm. Hier gilt natürlich: Je größer, desto besser!

 

4. Und ganz zum Schluss noch ein äußerst wichtiger Punkt, der leider am häufigsten von allen ignoriert wird: Meerschweinchen sind KEINE Kuscheltiere und kein Kinderspielzeug!

 

Meerschweinchen werden mit Geduld und Einfühlungsvermögen oft erstaunlich handzahm, solange sie immer die selbstständige Möglichkeit zur Flucht haben. Zwangsbestreicheln, Festhalten, Herumtragen – all das sind Dinge, die ein Meerschweinchen nicht mag, bzw. die das kleine Tier sogar in Todesangst versetzen können! Meerschweinchen, die sich platt machen, die Augen schließen und regungslos verharren genießen die menschliche Zuwendung nicht, sondern stellen sich in Panik tot!

 

Einzig alleine zum wöchentlichen Gesundheitscheck können Meerschweinchen hochgenommen und angefasst werden, ansonsten sollte man sich auf Beobachtung und Handfütterung beschränken – den Tieren zu liebe!

 

Wer jetzt nach dem Durchlesen von Punkt 1 bis 4 zum Schluss kommt, dass einer der aufgeführten Argumente nicht zutrifft, übertrieben ist oder gar lächerlich, der sollte sich keine Meerschweinchen anschaffen – und am Besten gar keine Tiere.

 

Für alle Anderen gilt: Wer eine Ecke frei hat für ein großes Gehege, gerne beobachtet und sich nicht an morgendlichem Pfeif- und Quiekkonzerten stört, der kann mit Meerschweinchen die idealen Hausgenossen finden und feststellen, dass die Kleinen erstaunlich viel zu bieten haben, wenn sie verhaltensgerecht, verantwortungsbewusst und respektvoll gehalten werden.

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